Startseite HR „Wir sind schwanger“–von der transparenten Kommunikation im Unternehmen

„Wir sind schwanger“–von der transparenten Kommunikation im Unternehmen

von RATGEBERmanagement

Ein Kommentar von Iris Schöberl, Geschäftsführerin und Head of Institutional Clients bei BMO Real Estate Partners Deutschland

Frauen werden Mutter,Männer werden Vater: das ist das Natürlichste der Welt und genau so sollte es auch betrachtet und behandelt werden. Die Realität sieht leider aktuell noch anders aus. Gerade Frauen haben Angst, das Thema Schwangerschaft oder auch nur einen zukünftigen Kinderwunsch bei ihrem Arbeitgeber anzusprechen. Die Sorge,als Belastung für das Unternehmen zu gelten und deswegen benachteiligt zu werden, ist nicht grundlos. Manch ein Arbeitgeber schreckt selbst davor nicht zurück, schon im Vorstellungsgespräch unzulässige Fragen zu stellen. Und auch im späteren Arbeitsalltag wird auf Frauen (sobald sie der Meinung anderer nach im passenden Alter sind, was sich teilweise über einen Zeitraum von 20 Jahren ziehen kann) auf zweierlei Weise Druck ausgeübt: Einerseits mit dem Erkundigen nach der konkreten Kinderplanung und andererseits mit dem Hinterfragen von fehlenden Kindern. Grenzüberschreitendes Einfordern von Auskünften zum Thema Schwangerschaft sind im beruflichen Umfeld keine Seltenheit.Die fehlende Bereitschaft von Unternehmen, den Kinderwunsch ihrer Mitarbeiter selbstverständlich in ihre Betriebsstrukturen zu integrieren, statt daraus einen Problemfall zu machen, sorgt dafür, dass Frauen in den unterschiedlichsten Branchen und Positionen tagtäglich in Bedrängnis geraten und in der Verwirklichung ihrer (beruflichen)Ziele gehemmt werden.

Dabei könnte es so einfach sein, wenn beide Seiten transparenter und vor allem natürlicher mit dem Thema umgehen würden. Als Geschäftsführerin weiß ich nur zu gut um die Herausforderungen, die ein temporärer Ausfall -auch auf Grund eines glücklichen Ereignisses -einer Kollegin oder eines Kollegen, für das Unternehmen bedeutet. Und gerade deswegen plädiere ich für einen offensiven Umgang mit dem Thema Kinderwunsch. Dabei sollte man(n)-oder insbesondere Frau-offen die eigenen Bedürfnisse kommunizieren,aber sich gleichzeitig von einer Drucksituation distanzieren. Wer sich in den nächsten vier Jahren Kinder wünscht, muss daraus kein Geheimnis machen, sollte sich aber nicht verpflichtet fühlen, die gesamte Planung offen zu legen. Transparenz bedeutet nicht, zu jeder Zeit Rede und Antwort stehen zu müssen.Auch hier ist Offensive gefragt, um die Grenzen des Privaten klar abzustecken und über griffige Fragen zu stoppen.In einem Vorstellungsgespräch hat das Thema dagegen absolut nichts zu suchen und zeugen einmal mehr nicht nur von einem veralteten Geschlechterbild, sondern auch von starren Betriebsstrukturen, die ihren Mitarbeitern keine Flexibilität zur persönlichen Entfaltung ermöglichen.

Dabei sollte es sich jedes Unternehmen zum Ziel setzen, für ihre Mitarbeiter Familie und Karriere miteinander vereinbar zu machen.Betreuungsmöglichkeiten, flexible Arbeitszeiten, Kindergarten-Zuschuss und Teilzeitmodelle sind nur eine Auswahl von Hilfestellungen, die Arbeitgeber ihren Mitarbeitern anbieten können, um den Arbeitsalltag mit Kindern zu ermöglichen. Wir bei BMO Real Estate Partners haben beispielsweise 15 verschiedene Teilzeitarbeitsmodelle. Der Frauenanteil liegt bei 65 Prozent und unsere Wiedereinstellungsquote nach einer Schwangerschaft liegt bei 90 Prozent. Wer von vornherein nicht nur für alternative Arbeitsmodelle und Familienunterstützung sorgt und diese Informationen auch für jeden bereitstellt,muss den potenziellen Kinderwunsch im Vorstellungsgespräch gar nicht erst thematisieren und kann sich mit seinen Mitarbeitern über die Schwangerschaften freuen. Das sorgt wiederum bei den Mitarbeitern für mehr Offenheit und Entspannung–eine win-win-Situation.

Familienplanung und die Auswirkungen auf den beruflichen Alltag sind ja auch in Zeiten voranschreitender Gleichberechtigung und Emanzipation nicht nur ein „Frauen-Thema“. Klassische Rollen von Mann und Frau lösen sich immer mehr auf. Partnerschaften finden vermehrt auf  Augenhöhe statt und Frauen müssen sich nicht mehr zwischen Kindern und Karriere entscheiden.Männern steht bis zu drei Jahren Elternzeit zu und sie teilen sich auch später oftmals gleichberechtigt mit der Kindesmutter die Betreuung. Längere berufliche Ausfälle sind also sowohl bei Frauen als auch bei Männern gleichermaßen potenziell zu erwarten. Bei einem Vorstellungsgespräch wurde aber sicher noch kein Mann nach seinem Kinderwunsch befragt.

Bildquellen

Jetzt lesen