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Nur sechs Prozent der Unternehmen setzen eine nachhaltige IT umfassend um

von smwx

Unternehmen, die umfassende Maßnahmen für eine nachhaltige IT[1] umsetzen, verzeichnen bessere ESG-Ratings[2] (61 Prozent), eine höhere Kundenzufriedenheit (56 Prozent) und realisieren Steuervorteile (44 Prozent). Einen hohen Reifegrad in dieser Hinsicht besitzen allerdings nur 6 Prozent der Unternehmen. Die Mehrheit ist hingegen noch unsicher, wie sie eine nachhaltige IT gestalten soll. Zu diesen Ergebnissen kommt das Capgemini Research Institute in seiner neuen Studie „Sustainable IT: Why it’s time for a Green revolution for your organization’s IT”, für die weltweit und branchenübergreifend IT-Verantwortliche, Nachhaltigkeitsexperten sowie Führungskräfte aus 1.000 Unternehmen befragt wurden.

Technologien können zur Lösung der Klimakrise beitragen, doch die IT verursacht zugleich selbst einen eigenen CO2-Fußabdruck. „Durch die beschleunigte Digitalisierung im Zuge der Pandemie nehmen die Emissionen unserer digitalen Welt rasant zu. Unternehmen müssen den CO2-Fußabdruck ihrer IT messen und durch nachhaltige Praktiken minimieren”, sagt Ralph Schneider-Maul, Leiter des Center of Excellence Digital Manufacturing von Capgemini in Deutschland. „Entscheidend für den Erfolg wird neben einer nachhaltigen Software-Architektur sein, dass alle Stakeholder im Unternehmen mitziehen. Abgesehen von der ökologischen Notwendigkeit überzeugen auch die wirtschaftlichen Vorteile nachhaltiger IT – sowohl was das Geschäftsergebnis angeht, als auch mit Blick auf die gesellschaftliche Reputation und Kundenzufriedenheit.”

Eine nachhaltige IT hat für die meisten Unternehmen bisher keine Priorität und nur wenige beziehen sie in ihre Nachhaltigkeitsagenda zur Reduzierung von CO2-Emissionen ein. So planen laut der Studie lediglich 22 Prozent der Unternehmen, in den nächsten drei Jahren ihren CO2-Fußabdruck durch eine nachhaltige IT um mehr als ein Viertel zu reduzieren.

Unternehmen sind sich der Klimabilanz ihrer IT kaum bewusst

Unternehmen sind die klimarelevanten Auswirkungen ihrer IT oftmals nicht bekannt: 57 Prozent der Befragten wissen nicht, wie groß der CO2-Fußabdruck ihrer Unternehmens-IT ist. Im Branchenvergleich kennen Banken (52 Prozent) und Konsumgüterhersteller (51 Prozent) diesen Wert am häufigsten, am seltensten sind Unternehmen der fertigenden Industrie (28 Prozent) mit den CO2-Emissionen ihrer IT vertraut. Weiterhin sind sich branchenübergreifend lediglich 34 Prozent der Befragten bewusst, dass bei der Produktion eines Handys oder Laptops mehr CO2-Emissionen entstehen, als über deren gesamten Nutzungszeitraum hinweg.

Im Vergleich zu anderen Nachhaltigkeitsinitiativen erhalten Maßnahmen für eine nachhaltige IT aktuell weniger Aufmerksamkeit und weniger Ressourcen. So verfügt zwar die Hälfte der Unternehmen über ein unternehmensweites Nachhaltigkeitskonzept, doch weniger als jedes fünfte Unternehmen (18 Prozent) besitzt eine umfassende Strategie für eine nachhaltige IT, einschließlich eines Zeitplans und klar definierten Zielen. Auf der Agenda der Vorstandsebene steht das Thema nachhaltige IT bei jedem dritten Unternehmen (34 Prozent).

Nur eine Minderheit der Unternehmen greift heute auf entsprechende Mittel und einheitliche Standards zurück, um die Umweltauswirkungen ihrer IT zu erfassen. So ermitteln 29 Prozent der befragten Organisationen ihren CO2-Fußabdruck mithilfe entsprechender Werkzeuge; 23 Prozent nutzen Leistungskennzahlen (KPIs), um ihre Treibhausgasemissionen und ihre Fortschritte zu einer nachhaltigen IT nachzuvollziehen. Insgesamt erreicht erst 1 Prozent der Unternehmen ihre dabei gesetzten Ziele. Weiterhin haben ein Viertel der Unternehmen (27 Prozent) Emissionskosten für ihren IT-Betrieb festgelegt, damit der ökologische Fußabdruck der IT abteilungsübergreifend erkennbar wird.

Erwartungshaltung gegenüber Technologieunternehmen bei der Dekarbonisierung der IT

Die führenden Technologieunternehmen („Big-Tech“) treiben die Dekarbonisierung von IT-Betrieb, ‑Dienstleistungen und -Produkten mit Nachdruck voran und könnten damit die globale Wahrnehmung von nachhaltiger IT beeinflussen. Die in der Studie befragten Unternehmen erwarten branchenübergreifend, dass die Technologiebranche ihnen bei der Einführung nachhaltiger IT-Praktiken hilft. Entsprechend sind 52 Prozent der Befragten der Meinung, dass Nachhaltigkeit eine Dimension der Produkte und Dienstleistungen von Technologieunternehmen sein sollte. Etwa die Hälfte (45 Prozent) von ihnen ist zudem bereit, für nachhaltige IT-Produkte und ‑Dienstleistungen einen Aufschlag von bis zu fünf Prozent zu zahlen. 61 Prozent möchten von Tech-Unternehmen dabei unterstützt werden, die Umweltauswirkungen der eigenen IT zu erfassen.

Handlungsempfehlungen zur Implementierung einer nachhaltigen IT

Zur zügigen Implementierung einer nachhaltigen IT empfehlen die Studienautoren einen dreistufigen Ansatz mit folgenden Schritten:

  • Die Entwicklung einer Strategie für eine nachhaltige IT, die im Einklang mit der übergeordneten Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens steht
  • Die Etablierung eines Governance-Prozesses, der dezidierte Teams für nachhaltige IT umfasst und durch die Geschäftsführung unterstützt wird
  • Die Umsetzung von Initiativen für eine nachhaltige IT, in der Nachhaltigkeit einen Grundpfeiler der Software-Architektur bildet

 

[1] Nachhaltige IT ist ein Sammelbegriff, der einen umweltorientierten Ansatz bei der Entwicklung, Nutzung und Entsorgung von Computerhardware und Software-Anwendungen sowie bei der Gestaltung damit verbundener Geschäftsprozesse umfasst. Der Begriff schließt weitere Aspekte ein, inklusive des verantwortungsvollen Abbaus seltener, zur Entwicklung von IT-Hardware benötigter, Metalle, den Gewässerschutz sowie den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft für den gesamten Lebenszyklus von Technologien. Die Untersuchung von Capgemini fokussiert auf vier Schlüsselbereiche der Unternehmens-IT: Benutzer-Hardware und -Geräte, Netzwerke und Kommunikationssysteme, Anwendungen und Daten sowie Cloud Computing.

[2] ESG-Ratings bewerten nachhaltige Geschäftspraktiken von Unternehmen in den Bereichen Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance).

Bildquellen

  • Ralph Schneider-Maul: Capgemini

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