Startseite Management Die Situation im Betrieb: Mit welchen Herausforderungen kämpfen Unternehmen und Selbständige derzeit?

Die Situation im Betrieb: Mit welchen Herausforderungen kämpfen Unternehmen und Selbständige derzeit?

von RATGEBERmanagement

Unternehmen und Organisationen sind Veränderungen gewohnt. Doch die COVID-19-Pandemie stellt unerwartete Anforderungen an die mentale Gesundheit, an Führungskultur und Change-Management. Das Projekt Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt (psyGA) hat mit Expertinnen und Experten darüber gesprochen, vor welchen Aufgaben Unternehmensleitungen, Führungskräfte und Solo-Selbständige derzeit stehen und mit welchen Maßnahmen sie gut durch die Krise kommen. Antworten und Praxistipps finden Sie im neuen Online-Dossier „Die Situation im Betrieb“.

Die Situation als Ausnahmezustand anerkennen und besonnen reagieren

Die derzeitige Ausnahmesituation steigere den ohnehin schon ausgeprägten Stress bei den Selbständigen, erklärt Marc Lenze, selbständiger Gesundheitsberater und Geschäftsführer des Instituts für gesundheitliche Prävention (IFGP), gegenüber psyGA. „Ein bedeutender Stressor im Moment sind sicherlich für viele die schwankenden Einkünfte – vor allem wer Verantwortung für Familie und Beschäftigte trägt. Bei älteren Selbständigen kann noch die Angst vor Altersarmut hinzukommen“. Um die Krise gut zu bewältigen, betont Lenze, sei es wichtig, die neue Situation zunächst als Ausnahmezustand zu akzeptieren und weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht einfach sei, aber neue Handlungsmöglichkeiten eröffne. Sein Tipp: Neben dem Prüfen der vorhandenen finanziellen Mittel und der Aktivierung von beruflichen Netzwerken solle man die Zeit nutzen, um in eine positive Stimmung zu kommen und seine Resilienz zu stärken. Das gelänge z. B. durch das Nachholen lange aufgeschobener Aktivitäten.

Eigene Ressourcen wahrnehmen und Handlungsoptionen entwickeln

Konkrete Hilfe leistet auch der Verein Metropolregion Rhein-Neckar e.V., der in Kooperation mit dem Projekt psyGA ein Mitarbeiterunterstützungsprogramm (MUP) für kleine und mittlere Unternehmen in der Region pilotiert. Kern des Angebots ist eine Beratungshotline für Fragestellungen rund um das Thema psychische Gesundheit. Bis Ende Juli steht die Hotline für alle Betriebe der Region kostenlos zur Verfügung. Somit erhalten sie direkten Zugang zu niedrigschwelliger psychologischer Beratung – ein Angebot, das normalerweise nur Mitgliedsunternehmen offensteht. Laut Geschäftsführerin Petra Kruppenbacher sei der Beratungsbedarf spürbar. Für Unternehmen sei es in der Krise wichtig, engen Kontakt zu den Beschäftigten zu pflegen: „Führung bedeutet jetzt, sowohl die Mitarbeitenden und ihre Bedürfnisse zu sehen und gleichzeitig einen unbekannten gemeinsamen Weg zu beschreiben, dafür die Aufgaben zu verteilen und zu begleiten“, sagt Kruppenbacher.

Schlummernde Potenziale in Betrieben für die Zeit nach der Krise nutzen

Für Dr. Ulrich Birner, Leiter der Abteilung Psychosocial Health and Well-Being eines internationalen Konzerns, bietet die jetzige Situation die Chance, neue Maßstäbe in der Führungskultur zu setzen: „In einer Krise können sich verborgene kulturelle Potenziale einer Organisation entfalten, z. B. Hilfsbereitschaft, Kreativität bei der Problemlösung, Engagement, Humor usw. Es ist die Aufgabe und Chance von Führung, diese Stärken deutlich herauszustellen und sie damit auch in der Zeit nach der Krise für die Organisation nutzbar zu machen.“

Praxistipps für Organisationen und Führungskräfte

Außerdem liefert das psyGA-Dossier Hinweise für den betrieblichen Alltag: 8 Tipps helfen Unternehmen und Organisationen, gut durch die Ausnahmesituation zu kommen – von der Einrichtung eines Krisenstabs über den Gesundheitsschutz bis hin zu Kommunikationsregeln. Ergänzt werden diese durch Checklisten und Krisentipps speziell für Führungskräfte. Neben den vollständigen Interviews und Tipps finden Sie unter www.psyga.info/arbeiten-in-zeiten-von-corona auch die bisherigen Dossiers „Was uns umtreibt“ zum Umgang mit persönlichen Ängsten und Sorgen in der Corona-Krise und „Hinter den Kulissen“ zu den Entscheidungsprozessen. Hinzu kommen viele hilfreiche Informationen der Bundesministerien zu Corona.

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